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Dinge auf Kleidung nähen

31. August 2026

Ich habe heute nochmal nach langer Zeit Nadel und Faden aus der hintersten Schublade rausgekramt und angefangen, alle möglichen Dinge, die in Griffweite waren, auf ein altes T-Shirt von mir zu nähen. Angefangen habe ich mit dem Anhänger einer Schildkröte. Danach hätte ich direkt aufhören sollen, denn alle weiteren Dinge wirken unbedacht platziert (was sie auch sind). Naja, die Schleife wäre wahrscheinlich auch noch gerade so gut gegangen, wenn sie nicht schon mit der Schildkröte kämpfen würde. Was auf diesem verrauschten Bild nicht zu sehen ist, sind die zwei elektrischen Widerstände. Aus denen kann man bestimmt was auf Kleidung machen, aber nicht in dieser Kombination. Aber mit jedem Ding, das ich auf den Stoff genäht habe, habe ich einen weiteren Schritt gemacht, um zumindest ein wenig nähen zu lernen.

Dass ich plötzlich nähen lernen wollte, hat mit diesem Satz aus Diana Weis’ Buch Modebilder 1 zu tun:

Damit Menschen ihre Physis mit Hilfe von Mode in sozial deutbare Konstrukte verwandeln können, benötigen sie Dinge, die ihre symbolische Bedeutung wie eine Batterie speichern und im Akt der Inbesitznahme — des Tragens und Zurschaustellens — freisetzen und auf sie übertragen.

Die Frage hier ist: Wie bekommt denn Kleidung überhaupt ihre symbolische Bedeutung? Welche Symbolik wurde dem T-Shirt durch die Schildkröte gegeben? Die Schildkröte musste angenäht werden; das T-Shirt ist also zum Teil DIY. Für mich symbolisiert DIY Charaktereigenschaften wie Jugendlichkeit, Risikobereitschaft und Bereitschaft anzuecken. Außerdem signalisiert es für mich die Zugehörigkeit zu einer Counter-Culture, wie z.B. Punk oder Queer.

Dadurch, dass die Symbolik dieses T-Shirts zum Teil in seinem Entstehungsprozess liegt (DIY), lässt es die tragende Person authentischer erscheinen als ein industrieller Print. Denn im Vergleich zu industriell produzierter Kleidung ist es für DIY-Kleidung deutlich wahrscheinlicher, dass die tragende Person auch an der Entstehung der Kleidung beteiligt war. Die engere Beziehung zwischen Träger:in und Produzent:in sorgt für eine effizientere Übertragung der Symbolik von der Kleidung auf die Träger:in.


  1. Weis, D. (2020). Modebilder: Digitale Bildkulturen. Wagenbach. https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1239-modebilder.html ↩