Warum ich mich für eine Transition entschieden habe
26. September 2026
Letzten Winter konnte ich eines Nachts nicht einschlafen. Das ist für mich selten geworden, die Routine der Arbeit wiegelt mich zuverlässig in den Schlaf. Doch damals brauchte ich 4 Stunden der Nacht für mich. Und so hielten mich meine Gedanken in der Dämmerung, bis ich mich dann noch für ein paar Stunden in den Schlaf entlassen konnte. Der Tag darauf, Augen bewusst aufhaltend, war eine Zumutung, aber glücklicherweise hatte ich noch genügend Energie um mich mit eine:r Freund:in zu treffen. Ich holte heraus, das was mich nicht in den Schlaf gleiten ließ: ich will eine Hormontherapie und eine GaOP machen. Was ein paar Atemzüge vorher nur ein in die Nacht verschobener Tagtraum war, wurde zur Realität. Das war am 14. November, 2025 und es sollte noch bis zum 18. Mai 2026 dauern bis ich überhaupt mit der Hormontherapie starten konnte. Aber das war erstmal egal, denn es waren die Worte, und nicht Monate später das Östrogen, die einen neuen Abschnitt in meinem Leben eingeläutet haben. Dieser Akt der Selbstbestimmung, zu wissen und zu sagen was ich will, war erledigt. Alle mussten sich anhören was ich vorhatte; meine Freund:innen, meine Eltern und selbst mein Chef. Das High aufrechtzuerhalten verlangte nach Reaktionen auf meine geplante Transition, je stärker, desto weiter trug es mich voran. Als es dann im Frühling des nächsten Jahres soweit war das erste mal ein Rezept einzulösen, war es nicht mal mehr etwas besonderes. Die Transition zu starten war die erste richtige Entscheidung die ich traf. Manchmal behaupte ich das ich mich für eine Transition entschieden habe, weil mir langweilig war. Dieser Satz hat auch seine Wahrheit, aber ganz konkret habe ich mich für die Transition entschieden, weil ich eines Nachts zu lange mit meinen Gedanken alleine war.